Die Kelten

Vor etwa 2 500 Jahren nahmen die Kelten unsere Heimat in Besitz. Im heutigen Frankreich wurden sie Gallier genannt. Auf ihren Kriegszügen und Wanderungen erreichten sie auch Italien und Griechenland.

Der Apostel Paulus schrieb einst einen Brief an die Galater, einen keltischen Volksstamm in Kleinasien. In diesen südlichen Ländern lernten die Kelten die Kunst, Bronze und Eisen zu verarbeiten. Fast in jedem keltischen Dorf war eine Eisenschmiede. Wo Eisenerz gefunden wurde, standen auch Schmelzöfen. Die keltischen Schmiede waren als Meister ihres Handwerks bekannt. Schmuck und Hausrat stellten sie aus Bronze her; die Bronze wurde von Händlern in das Dorf gebracht.

In unserer Heimat wohnte der keltische Volksstamm der Treverer. Ihre Siedlungen waren in der Südeifel, in Luxemburg und auf dem Hunsrück zu finden.

Als 200 Jahre vor Christus die benachbarten Germanen den keltischen Stamm zu verdrängen suchten, errichteten die Treverer auf den Berghöhen mächtige Schutzburgen. Am bekanntesten sind die Befestigungsanlagen auf der Ferschweiler Hochfläche. Diese Hochfläche ist ringsum von steilen Hängen eingefaßt, deren Felsen bis zu 60 m senkrecht abfallen. Wo die Hochfläche im Norden mit dem übrigen Gebirge in Verbindung steht, war sie am leichtesten anzugreifen. Deshalb bauten die Treverer hier eine Festung, die später Wikingerburg genannt wurde. Ein weiterer Zugang zur Hochfläche war oberhalb von Weilerbach zu finden. Hier wurde eine noch größere Festung, die Niederburg, angelegt. Kam ein Feind, so flüchteten die Bewohner mit Hab und Gut in die Schutzburgen. Die Kelten kannten damals den Mörtel noch nicht. Beim Bau der Festungsmauern trieben sie starke Pfähle in die Erde, die in gleichem Abstand zwei Reihen bildeten. Die Pfähle wurden untereinander mit Balken und Flechtwerk verbunden. Zwischen die Pfahlreihen schichteten sie Steine. Vor den Schutzmauern warfen sie tiefe Gräben aus. Heute sind von den beiden Schutzburgen nur mehr große Steinwälle zu erkennen, denn die Holzverkleidung der Mauern ist längst vermodert. Außer auf der Ferschweiler Hochfläche wurden noch keltische Befestigungsanlagen bei Auw und Preist nachgewiesen.

Die Einzelhöfe und kleinen Dörfer der Treverer lagen fast stets auf den Berghöhen. Oft waren auch sie von Erd- und Steinwällen umgeben. Jeder Hof hatte neben dem Wohnhaus noch Stall und Scheune, größere Anwesen besaßen auch Sklavenhäuser. Die Häuser bestanden aus Fachwerk und waren mit Stroh gedeckt. Das Wohnhaus hatte einen einzigen Raum. Die Mitte des Raumes nahm eine ummauerte Feuerstätte ein. Darüber befand sich im Dach eine verschließbare Öffnung für den Rauch. Vom Firstbalken herab hing an einer Kette der Kesselhaken. So konnten die Töpfe je nach Bedarf hoch oder tief über dem Feuer hängen. Entlang den Wänden waren niedrige Holzbänke angebracht. Hier saßen und schliefen auf Stroh- und Heubündeln, die mit Fellen bedeckt waren, die Bewohner des Hauses.

Die Kleidung der Treverer bestand aus selbstgewebtem Leinen- oder Wollstoff. Die Frauen trugen einen langen Rock, die Männer eine lange Hose und einen ärmellosen Kittel mit Kapuze. Die Kelten waren Bauern; einen großen Teil der Nahrung erwarben sie jedoch durch Jagd und Fischfang. Sie hielten fast die gleichen Haustiere wie die Bauern unserer Zeit. Der Räderpflug wurde von starken Ochsen gezogen.

Jede Dorfgemeinschaft hatte einen Häuptling. Mehrere Dörfer unterstanden dem Gaufürsten; er konnte vom Volke gewählt werden. Der Gaufürst war vor allem Anführer im Kampf. Die kriegerische Tapferkeit der Treverer war berühmt; besonders gut ausgebildet war die Reiterei. Neben den Adeligen hatten die Priester, die Druiden, großen Einfluß bei den Kelten. Als Diener der Götter, Lehrer und Richter waren sie frei von Kriegsdienst und allen Abgaben. Ein Versammlungsplatz für die keltischen Bewohner der Ferschweiler Hochfläche befand sich bei den Tanzkillbuchen, nahe bei der Niederburg. Unweit davon finden wir noch einen keltischen Opferstein.

Die Toten begrub man in der Nähe des Dorfes. Das Grab befand sich nicht in, sondern über der Erde. Die Männer wölbten aus Steinen eine Grabkammer und überschütteten sie mit Erde, so daß ein Hügel entstand. Dem Toten wurden Waffen und Schmuck beigegeben; auch stellten die Frauen Gefäße mit Speise und Trank in die Grabkammer. Keltische Hügelgräber befinden sich an mehreren Stellen im Kreisgebiet, so bei Kaschenbach und Neuhaus. In römischer Zeit gingen die Kelten dazu über, ihre Toten zu verbrennen.

(c) Hans Theis, Neuerburg - 1962