Franken / Mönche

Mehr und mehr verließen die Römer gegen Ende des 4. Jahrhunderts nach Christus unsere Heimat. Zuerst verfielen die Höfe in den entlegenen Gebieten, und der Wald ergriff wieder Besitz von Äckern und Wiesen.

Nur entlang der Römerstraße blieben noch römische Siedlungen erhalten. Auch diese wurden verlassen, als 410 die Römer ihre letzten Truppen von der Rheingrenze nach Italien zurückriefen.

Jetzt konnten die Franken ungehindert in das von den Römern aufgegebene Land eindringen. Dieser germanische Volksstamm brach von seinen Wohnsitzen zwischen Rhein und Weser auf und erreichte über die Römerstraße Köln—Trier unsere Heimat. Vor dem Ansturm der Franken zogen sich die letzten Reste der keltisch-römischen Bevölkerung in entlegene Gebiete zurück oder wanderten nach Gallien, dem heutigen Frankreich, aus. Die hohe Kultur und die wirtschaftliche Blüte versanken. Die römischen Landhäuser gingen in Flammen auf, Straßenbauten und Wasserleitungen zerfielen. Außer den Bauresten erinnern nur mehr einige Orts-, Fluß- und Flurnamen an die Römer- und Keltenzeit in unserer Heimat. Die fränkischen Heerführer verteilten das besetzte Land an ihre Krieger.

Nur dünn besetzten die Franken im 5. und 6. Jahrhundert die Eifel; erst im 7. und 8. Jahrhundert fluteten größere Gruppen aus dem Innern Galliens zurück und nahmen in unserer Heimat ihren Wohnsitz. Die Franken besiedelten zuerst das Gebiet beiderseits der Römerstraße und die fruchtbaren Kalkmulden. Während Römer und Kelten in Einzelgehöften wohnten, bevorzugten die Franken Dorfsiedlungen. Ihre Häuser errichteten sie nicht aus Stein. Sie blieben bei ihrer alten Bauart und errichteten die Wände (von „winden") aus Holz und Flechtwerk, das mit Lehm beworfen wurde. So sind aus dieser Zeit keine Bauwerke mehr erhalten geblieben. An vielen Stellen hat man aber Gräber aus dieser frühen fränkischen Zeit gefunden, die auf ein Dorf oder eine kleine Siedlung hinweisen. Die Toten wurden in der Nähe der Siedlung beigesetzt. Meist lagen sie in Reihen bestattet. Der Mann erhielt Waffen, die Frau Schmuck und Haushaltsgeräte mit ins Grab. Im Kreise Bitburg sind solche fränkischen Gräber gefunden worden in Niederweiler, Biersdorf, Wiersdorf, Ließem, Nattenheim, Rittersdorf, Kyllburgweiler, Badern, Brimingen, Niehl, Stockem, Nusbaum, Wettlingen, Wißmannsdorf, Brecht, Oberweis, Bitburg, Stahl, Masholder, Dockendorf, Wolsfeld, Ordorf, Niederstedem, Metterich, Gondorf, Dudeldorf, Sülm, Preist, Idenheim, Hosten, Idesheim, Bollendorf, Meckel, Niederweis und Schankweiler.
 
Auch die Ortsnamen geben uns über die Siedlungen der Franken Auskunft. Es sind die Ortsnamen mit den Endungen -heim, -darf und -ingen, die uns Siedlungen aus der ersten fränkischen Zeit nennen. Zu den Orten mit der Endung -heim gehören auch Ließem und Fließem. Fast immer sind die Dorfnamen Zusammensetzungen mit dem Namen des ersten Ansiedlers oder seiner Sippe. Die Endungen auf -wetter weisen auf die römische Zeit hin. Daher ist es auch zu erklären, daß diese Namen oft nahe der Römerstraße und in der Umgebung Bitburgs vorkommen.

Später, vom 9. Jahrhundert an, wurden auch die bis dahin nicht erschlossenen Waldgebiete, vor allem im Isleck, besiedelt. Die Wälder mußten in harter Arbeit gerodet werden, um neue Wohnplätze und Felder zu gewinnen. Aus der Zeit dieser Rodungen stammen die Ortsnamen mit den Endungen -rath, -raden, -roth, -rod, -ert. Ferner gehören in diese Zeit die meisten Ortsnamen auf -bach, -feld, -berg und -born. Die Orte mit der Endung -er (Ober- und Nieder g eckler, Bauler, Lahr) sollen von Sachsen gegründet worden sein, die der Frankenkaiser Karl der Große im 9. Jahrhundert in die Eifel verschickte. Im Mittelalter (13. und 14. Jahrhundert) ging man nochmals daran, Wälder zu roden und Siedlungen zu schaffen. Die Dorfgründungen dieser Zeit erkennt man an der Endung -scheid. Teilweise entstanden damals auch die Siedlungen auf -hof(en) und -haus(en).

Die Franken bebauten ursprünglich das gesamte Land um das Dorf gemeinsam. Es wurde so viel Ackerland gerodet, wie zur Ernährung der Familien notwendig war; der Rest blieb Wald, Weide und Ödland. Das Ackerland war in „Gewanne" (große Felder) aufgeteilt. Gemeinsam wurde gepflügt, gesät, geerntet. Von der Ernte wurde jeder Familie so viel zugeteilt, wie sie nötig hatte. Um die Felder fruchtbar zu erhalten, blieb das Gewann jedes dritte Jahr brach liegen. Im ersten Jahr wurden Roggen oder Spelz angebaut, im zweiten Jahr Hafer oder andere Feldfrüchte. An landwirtschaftlichen Geräten besaß der Bauer den Pflug, die Egge und einen zweirädrigen Karren. Selbständige Handwerker gab es noch nicht. Jeder Bauer war sein eigener Bäcker, Zimmermann oder Schmied.

Mit der Zeit kam es jedoch wegen der Arbeitszeit und des Ernteertrages zu Streitigkeiten. Deshalb ging man dazu über, die Gewanne in Äcker abzumessen und einem jeden Hofbesitzer eine bestimmte Fläche zuzuteilen. Jedes Jahr wurden die Felder neu verlost. Später überließ man die Felder zur mehrjährigen Nutzung. Gegen Ende des 6. Jahrhunderts schließlich waren die Felder in erbliches Eigentum übergegangen. Nur Wälder und Wiesen blieben Eigentum der Allgemeinheit; deshalb wurde sie auch „Almende" genannt. Dort weideten alle Rinder und Schafe, dorthin trieb man die Schweine zur Mast, dort schlug man Holz zum Bau der Häuser und Stallungen, für die Geräte und für das Herdfeuer.

(c) Hans Theis, Neuerburg - 1964