Velten glaubte sich an einem Stand mit Bekleidung unbeobachtet, als er geschickt nach einer Mütze am Rande der Ausstellungsfläche griff und sie unter dem Kittel verbarg.
„Velten !" dröhnte da die sonore Stimme der Marktfrau
wissend und anklagend an das Ohr des Diebes. Der zuckte zusammen, schaute erschreckt
um, konnte aber den Rufer nicht entdecken. Aber auch der Verkäufer an Stand war
hellhörig geworden, entdeckte den Verlust und rief lauthals nach der Polizei.
Da gab Velten Fersengeld und drängte sich rücksichtslos durch die Menge.
Hinterher einige Leute, die bei der bestohlenen Bude gestanden hatten. Doch
wäre Velten die Flucht durch das Knäuel der Menge und die winkeligen Sassen
gelungen, hätte er nicht am Stand der Marktfrau vorbei laufen müssen.
Käth hatte nicht nur das Herz auf dem rechten Fleck, sondern im richtigen Augenblick auch eine Schere zur Hand. Mit der schnitt sie dem Velten, der beim Vorüberdrängen ihren Stand in Gefahr brachte, unbemerkt den dünnen Strick entzwei, der in Ermangelung eines Gürtels die Hose hochhielt. Dem Velten wurde es plötzlich seltsam luftig um die Hinterfront, und ehe er sich die Sache recht erklären konnte, war die Hose schon zu einem Fallstrick auf den Füßen zusammengeschrumpft. Er stolperte und knallte recht unsanft auf das Pflaster. Während eine halb wütende, halb spottlustige Versammlung dem verdatterten Velten die Leviten las und ihn der Polizei übergab, hockte Käth wie immer hinter ihrem Stand und Strickte an einem langen Männerstrumpf.
(c) 1966 - Hans Theis, Neuerburg



Die Marktfrau

